DEUTSCH - Marienverehrung und Glaube an Gott
Data: Giovedi 26 Febbraio 2015, alle ore 10:32:55
Argomento: Lingue straniere


Von Werner Keller und P. Paul Weismantel - Katholische Kirche Crailsheim - Gemeindebrief Herbst 2012, Seiten 3-6.



Marienverehrung und Glaube an Gott
Werner Keller

Seit 2000 Jahren verehren Christen Maria. Von Dichtern und Komponisten, Bildhauern und Malern wurde sie besungen und dargestellt. Zu ihr pilgern die Menschen, um ihre Fürsprache bei Gott zu erbitten oder für das Gute, das sie erfahren haben, zu danken. Zwei Monate im Jahr „gehören" ihr: der klassische Marienmonat Mai und der Rosenkranzmonat Oktober. Grund genug, um in diesem Gemeindebrief „Herbst 2012" einmal über die Marienverehrung nachzu denken.

Es ist ergreifend, mit welcher Begeisterung viele Gläubige das „Memorare" des hl. Bernhard von Clairvaux singen: „Milde Königin gedenke, wie's auf Erden unerhört, daß zu dir ein Pilger lenke, der verlassen wiederkehrt.. .Daß Maria eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit." Wer darf es wagen, gegen solches Vertrauen zu Maria Einwände vorzubringen? Und doch kann dieses Lied nachdenklich machen. Denn der Gedanke, daß jede Bitte erhört wird, wird im Neuen Testament von Gott gemacht: Jesus fordert ein grenzenloses Vertrauen gegenüber dem himmlischen Vater. Beten wir mit demselben Vertrauen auch zu unserem Vater im Himmel? Oder hat sich da eine Haltung, die Jesus gegenüber Gott fordert, im Laufe der Zeit ausschließlich auf Maria verlagert? Ist Gott für uns der gütige Vater, wie ihn Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt, oder ist er zu einem blassen, abstrakten und unnahbaren Wesen geworden? Diese Frage sollte sich jeder von uns stellen.

Aber: wenn wir unseren Glauben an Gott ernst nehmen und wenn Christus unser einziger Mittler zum Vater ist, bleibt dann überhaupt noch ein Platz für Marienfrömmigkeit? Wir können uns auch nicht damit begnügen, den Unterschied zwischen der Anbetung, die nur Gott zukommt, und der Verehrung, die gegen - über Maria erlaubt ist, einzuschärfen. Wir müssen vielmehr zeigen können, warum neben dem Beten zu Gott und Christus auch noch die Verehrung Marias einen Sinn hat. Sonst könnte es geschehen, daß schon bald die Marienverehrung aufgegeben wird. Damit aber würde unserem Glauben viel verlorengehen.

Ein solides Fundament dafür müssen wir im Neuen Testament suchen. Doch dort gibt es noch keine direkte Marienverehrung; diese hat sich erst in den späteren Jahrhunderten entfaltet. Dennoch sagt uns das Neue Testament indirekt eine ganze Menge. Ein wichtiger Text aus Lk 11,27-28 kann uns hier weiterhelfen. Eine Frau ruft Jesus zu: „Selig der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich genährt haben." Nun muß man wissen, daß man im Orient - auch heute noch -jemanden dadurch herausstellt, daß man seine Eltern herausstellt. Wenn ein Orientale jemanden rühmen will, so rühmt er dessen Eltern, meint aber den Betreffenden selbst. So wird also im Lukas-Text in erster Linie Jesus selbst seliggepriesen.

Was tut nun Jesus? Er gibt das Kompliment zurück. Er antwortet der Frau: „Nein, selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Jesus richtet die Aufmerksamkeit der Frau auf Gott. Auf Gott allein kommt es an. Wir haben in dieser kleinen Szene wie in einer Momentaufnahme die innerste Gesinnung Jesu. So wie hier ist seine ganze Predigt, nämlich daß bei Jesus Gott und Gottes Herrschaft im Mittelpunkt von allem steht, was er sagt und tut. Viele Jesusworte zeigen das. Ich nenne noch ein einziges. Ein junger Mann fragt Jesus: „Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" Jesus antwortet: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein" (Mk 10,17-18). Das Wort zeigt, wie Jesus wirklich war: alle Ehre gehört Gott dem Vater. Er will, daß die Menschen mit diesem so vertrauensvoll sprechen wie mit ihrem leiblichen Vater.

Wenn man das alles ernst nimmt, ergeben sich daraus Konsequenzen für die Marienverehrung. Eine Marienverehrung, die Gott weit wegrückt als einen fernen und unnahbaren Gott und die so tut, als könne man vertraulich nur mit Maria reden, würde dem Geist des Neuen Testamentes nicht entsprechen. Und zweitens: eine Marienverehrung, die nicht ständig über Maria hinausweist auf Gott den Vater, entspricht nicht dem Geist des Neuen Testamentes. Die Frau aus dem Volke hatte Jesus und seine Mutter seliggepriesen. Jesus schiebt solche Seligpreisung beiseite und macht deutlich: Allein auf Gott kommt es an. Marienverehrung kann also nur in Ordnung sein, wenn sie auf Gott ausmündet.

Aber gibt es im Neuen Testament nicht doch einen Text, der uns geradezu auffordert, Maria seligzupreisen? Nämlich das Magnificat: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." Ein großer Satz, der das bisher Gesagte aber gerade bestätigt. Das ganze Magnificat ist ja nichts anderes als ein einziger Lobpreis der Großtaten Gottes, vor allem ein Lobpreis dessen, was Gott an Maria getan hat. Maria meint also, daß sie seliggepriesen wird um dessentwillen, was Gott an ihr getan hat: „Denn Großes hat an mir getan der Mächtige." Der Lobpreis, der sich an Maria entzündet, geht also auch hier im Grunde auf Gott. Wir haben hier ein sehr gutes Fundament für alle wahre Marienverehrung vor uns: Wir dürfen und sollen Maria selig preisen, weil Gott Großes an ihr getan hat. Indem wir das alles erkennen, geht unser Blick von Maria auf Gott, mündet schließlich alles im Lobpreis seiner Liebe und seines Erbarmens. Wir sollten - so gesehen - das Magnificat öfters einmal Wort für Wort beten, um seinen Reichtum zu erkennen.

Wenn wir unsere Marienverehrung in dieser Weise biblisch begründen, dürfen wir dann nicht auch hoffen, eines Tages mit unseren evangelischen Mitchristen wieder in einer echten Marienfrömmigkeit zusammenzufinden? Man braucht ja nur einmal zu lesen, was Martin Luther in seiner großartigen Auslegung des Magnificats zur Marienverehrung sagt: „Recht geehrt wird Maria, wenn wir Gottes Gnade in ihr preisen." Es liegt an uns, der Marienfrömmigkeit eine Form zu geben, die auch spätere Generationen nachvollziehen können. Diese Form muß so sein, daß Gott das Entscheidende bleibt. Wenn in diesem Sinn all unsere Marienverehrung zu Gott hinfuhrt, dann werden wir auch Maria im Bittgebet anrufen dürfen. Für dieses Bittgebet sollte uns dann allerdings nicht das Bild eines Fürstenhofs vergangener Zeiten vor Augen stehen, wo man ohne Fürsprecher und ohne Beziehungen eben nicht durchkam, sondern das Bild einer großen Familie, wo alle im Gespräch miteinander sind und wo alle füreinander eintreten.

Betrachtungen über Maria
P. Paul Weismantel

Maria, was musst Du für eine Frau gewesen sein? Ich stelle mir vor, Du warst eine geheimnisvolle und einsame Frau, eher noch ein junges Mädchen, wie viele andere damals und doch zugleich anders. Du bist neue und unbekannte Wege gegangen, durch äußere und innere Wüsten, durch schwierige Situationen und Umstände. Du bist nicht nur die glatten Straßen, sondern unge - wöhnliche Wege gegangen und hast deshalb nicht nur Staub aufgewirbelt, sondern Spuren hinterlassen, bleibende Spuren bis heute.

Ich stelle mir vor, Du warst eine charmante Frau, eine begabte und begnadete, voll der Gnade, wie wir beten, eine Frau, deren innere Schönheit sich verleiblicht hat und sichtbar wurde, in Deinem Gesicht und in Deinen Gesten.

Ich stelle mir vor, Du warst eine stille Frau, eine schweigsame und verschwiegene, die das ihr Anvertraute für sich behalten und im Herzen bewahren konnte, eine Frau, die beten konnte, ohne dabei viel Worte zu machen, die sich dabei freuen und weinen konnte, wenn ihr da - nach zu Mute war.

Ich stelle mir vor, Du warst eine zarte Frau, die feinfühlig und empfindsam war, eine Frau, die ihre Gefühle zeigen und träumen konnte, eine Frau, die Engel singen und sprechen hörte.

Ich stelle mir vor, Du warst ein armes Mädchen, eine ledige Mutter, die von den Blicken und dem Geschwätz ihrer Nachbarinnen verfolgt und abgestempelt wurde.

Ich stelle mir vor, Du warst eine mutige und kämpferische Frau. Ich stelle mir vor, wie leidenschaftlich Du berührt warst, wenn Du im Lied den Gott der kleinen Leute angerufen und besungen hast, wenn Du Unrecht und Unterdrückung beim Namen genannt hast, wenn neue Hoffnung auf Befreiung und Gerechtigkeit in Deiner Stimme erklang.

Ich stelle mir vor, Du warst eine starke Frau, die gefragt hat und das, was sie gesagt hat, auch so gemeint hat, eine Frau, auf deren Wort mehr Verlaß war als auf die großen Worte vieler Männer, eine Frau, die zu ihrem Wort stand und dafür bis zum Äußersten ging.

Ich stelle mir vor, Du warst eine wunderbare und faszinierende Frau, daß viele Leute gestaunt haben, wie Du Deinen Weg gegangen bist.

Ich stelle mir auch vor, daß viele Dich nicht verstehen konnten. Es war ihnen einfach zu ungeheuer und zu viel, und Du bist ihnen zu weit gegangen, weil in Deinem Leben so viel Unfassbares geschah, so viel Unmögliches möglich wurde.

Ich kann mir auch vorstellen, daß Du das alles nicht nur damals warst, sondern auch heute noch bist, weil Du Spuren hinterlassen hast, die uns Wege zu Gott und zum Leben zeigen. Ich wünsche es uns von Herzen.

 







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